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Freitag, 7. September 2012

Die Deckzeit hat begonnen


Ja, bei uns möchte auch der Bock auf den Melkstand - schließlich gibt's da was zu Fressen...

Letztes Jahr im August zog Sir Finley, im zarten Alter von 3 Monaten, bei uns ein. Hach, wie war er soooo knuffig und lockig. Es hat uns einiges gekostet, ihn nicht zu knuddeln. Das sollte man bei Böcken nämlich tunlichst vermeiden, wenn man nicht riskieren möchte, dass sie jedweden Respekt vor dem Menschen verlieren.

Allerdings war Finley von Anfang an ein Sorgenkind.
Nach ungefähr einer Woche wurde er plötzlich krank, fraß nicht und hatte Fieber. Der sofort herbeigerufene Tierarzt meinte, dass sei eine Umstellungsinfektion. Er wurde im neuen Stall mit Bakterien konfrontiert, auf die sich das Immunsystem erstmal einstellen musste. Wegen des Fiebers hat der Tierarzt dann aber vorsichtshalber Penicillin gespritzt. Keine Minute später fiel Finley plötzlich um und röchelte nur noch! Himmel, war ich in Panik! Und auch unseren Tierarzt habe ich noch nie so rennen sehen. Er sagte nur "anaphylaktischer Schock" und sprintete davon, um kurz darauf mit der nächsten Spritze wieder aufzukreuzen. Offenbar hatte er das Richtige erwischt und schon kurz nach Gabe der Spritze ging es Finley wieder besser. Auch die Infektion hatte er zwei Tage später heil überstanden.

Als nächstes fiel mir auf, dass der gute Fips im Gegensatz zu unseren Ostfriesen-Böcken ziemlich schlecht "bestückt" war. Also das, worauf es bei einem zukünftigen Deckbock ankommt, war nicht besonders gut ausgebildet. Darum habe ich mal beherzt zugegriffen und - nur Wolle!!!! Kein Familiensilber im Beutelchen!!!
Auch benahm er sich nicht so, wie die anderen Böcke, die schon richtige Rüpel waren und ständig irgendwelche Rangeleien austrugen. Finley sah sich das Ganze immer nur an und drehte sich dann fast angewidert weg. So langsam machte ich mir echt Sorgen, ob das denn mit meiner Wensley-Dairy-Zucht was werden würde.

Im Januar kam der Tierarzt zum Impfen. Natürlich habe ich ihn gleich genötigt, Finley's Männlichkeit zu überprüfen. "Alles wie es muss", war die Antwort. "Vielleicht ein bissel klein, aber für Nachwuchs sollte er sorgen können."
Allgemeines Aufatmen, aber natürlich kein Grund, im Frühjahr unseren Scherer, der selbst mal Wensleydales gezüchtet hat, auch nochmal nachschauen zu lassen. Der nun wieder lachte sich fast schlapp, als ich ihm von meinen Bedenken berichtete, und erklärte mir, dass er früher bei den Böcken auch echte "Spätzünder" gehabt und sich die gleichen Sorgen gemacht hätte. Dennoch fühlte auch er vorsichtshalber nochmal nach und meinte dann, ich dürfe mich auf Wensleydale-Nachwuchs im nächsten Jahr freuen.

Sir Finley wäre aber nicht Sir Finley, wenn er uns nicht doch noch einen gehörigen Schrecken eingejagt hätte. Nachzulesen unter Angst um Sir Finley

Letze Woche war er dann wieder total merkwürdig drauf. Aber nicht so richtig krank, mehr verwirrt. Ob er wohl...? Also flugs den Markierstift aus dem Schrank geholt und dem Bock die Brust angemalt. Findet er übrigens total toll! Mit halbgeschlossenen Augen steht er da und lässt sich anpinseln. Wedelt mit dem Schwanz wie ein Lämmchen.
Und schon abends wurde ich hiermit belohnt:


Inzwischen hat er schon 2 Mädels "vernascht" und ich hoffe, dass die anderen jetzt bald nachlegen, damit die Lammsaison nicht wieder so unendlich lang wird. Ich persönlich würde ja 5 Lammungen pro Tag, 4 Tage hintereinander, bevorzugen. Damit wäre mein Bedarf an nächtlichen Stallbesuchen bei Minustemperaturen deutlich gedeckt. Aber vermutlich lassen sie mich wieder 6 Wochen rennen...


Kommentare:

  1. Ob Sir Finley beim Brust-Einpinseln von den bevorstehenden "Freuden" träumt? Wenn er wüsste, dass das Ganze nur dazu dient, seine "Aktivitäten" zu beweisen...
    Ein raffinierter Trick! Aber wie lange bleibt die Farbe aktiv, bevor sie eintrocknet? Und wie schnell wird die Markierung von den "beglückten" Damen vom Regen wieder abgespült? Eine gründliche "Buchhaltung" über die erfolgreichen Belegungen erspart das Malverfahren zwar nicht, aber die Lammsaison lässt sich dadurch natürlich viel besser ausrechnen - wenn die Damen sich dann auch brav an die durchschnittliche Tragzeit halten...

    Danke für diese tolle Nachhilfestunde in Sachen Schafzucht!

    Viele Grüße
    Cornelia

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  2. Da kann ich mal wieder sehen, was ich für eine "Ahnung" von Schafzucht habe, denn gerade habe ich bei mir so gedacht:
    "Ach dafür braucht man die Farbe!" *giggel*

    LG von Juliane

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  3. Na, ich teile das bisschen Wissen, was ich habe doch gerne *lach* und es freut mich sehr, wenn es euch interessiert.

    Die Farbe hält schon ziemlich lange, ist so eine Art Wachsmalstift und wird auch vom Regen nicht so schnell abgewaschen. Natürlich wird aber jede "gepunktete" Dame sofort im Kalender notiert.
    Da Sir Finley ein Gentleman ist und offenbar nicht unter Aufsicht ....., bin ich echt glücklich, dass es diese Kennzeichnung gibt. Da hat man dann wenigstens eine ungefähre Vorstellung, wann es losgeht. Auch den Suffolk-Bock vom letzten Jahr habe ich nicht ein einziges Mal auf einer Auge gesehen. Die Briten halt...
    Im Moment trägt Finley grün. Sobald alle Damen einen grünen Stempel haben, wechseln wir die Farbe. So kann man dann auch noch sehen, ob evtl. eine umbockt.

    Liebe Grüsse
    Sanne

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  4. Sehr interessant und lehrreich. Man lernt doch immer noch dazu.

    Wie heißt es so schön:

    Man wird so alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu!

    LG
    Karin

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  5. Ich hab' gerade Tränen gelacht. Aber wie es scheint, ist Sir Finley ein ganzer Kerl.

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